
Die Bezeichnung «Lachs» oder «Kabeljau» auf der Packung verrät wenig darüber, woher der Fisch stammt, wie er gefangen oder unter welchen Bedingungen er gezüchtet wurde.
Beim Einkauf im Supermarkt können wir als KonsumentInnen keine Ökobilanz erstellen. Einige Angaben helfen trotzdem: Herkunft, Fang- oder Zuchtmethode – und nachvollziehbare Zertifizierungen.
Die folgenden alltagstauglichen Empfehlungen zum Kauf von nachhaltigerem Fisch basieren auf der Initiative «Check deinen Fisch».
«Check deinen Fisch» wird getragen von Aquaculture Stewardship Council (ASC) und Marine Stewardship Council (MSC). Beide Zertifizierungsorganisationen entwickeln Standards für zertifizierte Fischereien beziehungsweise Aquakulturen.
1. Zertifizierungs-Siegel als Orientierung nutzen – nicht als Freipass
Das blaue MSC-Siegel kennzeichnet Wildfisch aus einer Fischerei, die nach dem Umweltstandard des Marine Stewardship Council zertifiziert wurde.
Das türkisfarbene ASC-Siegel steht für Zuchtfisch und Meeresfrüchte aus Aquakulturen, die nach Umwelt-, Tierwohl- und Sozialkriterien des Aquaculture Stewardship Council geprüft wurden.
Beide Labels erleichtern die erste Auswahl. Sie sind jedoch kein Freipass: Eine Zertifizierung gilt für eine bestimmte Fischerei oder Zucht – nicht pauschal für eine Fischart oder ein Herkunftsland.
2. Nicht nur auf die Fischart schauen
Ob ein Fisch ökologisch vertretbar ist, entscheidet sich nicht allein an seinem Namen:
Bei Wildfisch sind Fanggebiet, Zustand des Bestandes und Fangmethode relevant.
Bei Zuchtfisch sind unter anderem Haltung, Fütterung, Medikamenteneinsatz und Umweltfolgen wichtig.
Zwei Packungen derselben Fischart können deshalb sehr unterschiedlich zu bewerten sein.
3. Nicht immer Lachs und Thunfisch wählen
Lachs und Thunfisch gehören zu den meist gekauften Fischarten. Wer auch weniger bekannte, zertifizierte Arten kauft, verteilt die Nachfrage und entdeckt neue Geschmäcker.
Bedrohte Arten wie der Europäische Aal gehören dagegen nicht in den Einkaufskorb. Auch Aal aus Aquakultur stammt aus wild gefangenen Jungtieren, weil der vollständige Zuchtkreislauf bislang nicht kommerziell gelingt.
4. «Saisonaler Fisch» bedeutet nicht automatisch nachhaltig
Bei Spargel oder Erdbeeren ist die Saison ein nützlicher Wegweiser, bei Fisch reicht sie nicht aus. Bezeichnungen wie Matjes, Maischolle oder Skrei sagen nichts über den Zustand des Bestandes oder die Fangmethode aus.
Entscheidend bleiben Herkunft, Fang- beziehungsweise Zuchtbedingungen und die Frage, ob diese kontrolliert werden.
5. Nur so viel Fisch kaufen, wie Sie essen
Fisch ist ein wertvolles und vergleichsweise knappes Lebensmittel. Kaufen Sie deshalb nur die benötigte Menge und verwerten Sie den Fisch möglichst vollständig.
Aus Köpfen, Gräten und Abschnitten eines ganzen Fisches lässt sich beispielsweise ein kräftiger Fond kochen. Auch kleinere Reste können in Suppen, Saucen oder Aufstrichen verwendet werden.
6. Tiefkühl-Fisch nicht unterschätzen
Tiefkühlprodukte lassen sich lange lagern und häufig einzeln entnehmen. Das ist besonders für kleine Haushalte praktisch und verhindert Lebensmittelabfälle.
Für die ökologische Bewertung gelten jedoch dieselben Fragen wie bei Frisch-Fisch: Woher stammt er, und wie wurde der Fisch gefangen oder gezüchtet?
7. Fisch bewusst statt häufig essen
Ein bis zwei Fisch-Mahlzeiten pro Woche genügen, um Fisch in eine ausgewogene Ernährung einzubauen. Mehr ist nicht automatisch besser – weder aus gesundheitlicher Sicht noch mit Blick auf die Belastung der Meere.
Die Grundlage bleibt eine abwechslungsreiche Ernährung mit einem hohen Anteil pflanzlicher Lebensmittel.
8. Werbeversprechen kritisch prüfen
Begriffe wie «grün», «umweltfreundlich» oder «nachhaltig» sind ohne Belege wenig wert. Achten Sie darauf, ob ein Siegel oder eine andere Kennzeichnung offenlegt, wer die Kriterien festlegt, was geprüft wird und wie die Kontrollen funktionieren.
In der EU gelten ab dem 27. September 2026 strengere Regeln gegen unbelegte Umweltaussagen. Für Deutschland und Österreich gelten diese unmittelbar; für die Schweiz (noch) nicht.
FAQ – das Wichtigste in fünf Fragen
1. Wie viel Fisch essen wir?
Die meisten in Deutschland, Österreich und der Schweiz gekauften Fischprodukte sind importiert.
Bei der Menge unterscheidet man zwischen dem Fanggewicht (Lebendgewicht des Fisches) und dem Konsumgewicht (tatsächliches Verzehrgewicht auf dem Teller). Das Konsumgewicht pro Person und Jahr:
Deutschland: 13 Kilo Fischprodukte
Schweiz: 9 Kilo Fischprodukte
Österreich: 8 Kilo Fischprodukte
2. Woher kommen die Fische?
75 bis 85 Prozent der Fischprodukte, die wir kaufen, müssen importiert werden. Die Herkunftsregionen:
Nordatlantik und Skandinavien: Norwegen, Island und Färöer-Inseln liefern Frischfisch und Lachs.
EU-Nachbarländer: Polen, die Niederlande und Dänemark sind wichtige Standorte für Verarbeitung und Logistik.
Asien: China, Vietnam, Indien, Thailand und Bangladesch liefern vor allem Zuchtfisch und Meeresfrüchte.
Pazifik und Südamerika: Aus den USA, Russland, Ecuador und Peru kommen unter anderem Wildfang und Tiefkühl-Produkte.
3. Was ist das Ziel der Initiative »Check deinen Fisch»?
Die Initiative «Check deinen Fisch» wurde 2019 von ASC und MSC gegründet. Sie informiert die KonsumentInnen jährlich in einem Aktionsmonat über einen verantwortungsvollen Umgang mit der wertvollen Ressource Fisch.
Im September 2026 finden in Deutschland, Österreich und der Schweiz «Check deinen Fisch»-Aktionen mit zahlreichen Partnern aus dem Lebensmittelhandel statt.
4. Der Aquaculture Stewardship Council (ASC)
Das türkisfarbene Siegel des Aquaculture Stewardship Council (ASC) kennzeichnet Fisch und Meeresfrüchte aus Aquakulturen. Die Betriebe müssen definierte Kriterien in den Bereichen Umwelt, Tierwohl und Soziales erfüllen.
Die Einhaltung des Standards prüfen externe Zertifizierungsstellen.
5. Der Marine Stewardship Council (MSC)
Das blaue Siegel des Marine Stewardship Council (MSC) kennzeichnet Wildfisch aus Fischereien, die drei zentrale Anforderungen erfüllen:
Fischbestände sollen langfristig erhalten bleiben.
Die Auswirkungen der Fischerei auf das Ökosystem Meer sollen begrenzt werden.
Die Fischerei soll wissenschaftlich fundiert geregelt und regelmässig kontrolliert werden.
Die Einhaltung des Standards prüfen externe Zertifizierungsstellen.




