Peter Fuermetz interviewt im «Klima-Kolumne»-Podcast den Journalisten Jürg Vollmer
Im Gespräch mit Peter Fuermetz erklärt Jürg Vollmer die Ernährungswende. Ohne Moralkeule und ohne Bauern-Bashing – der Klimaaktivist und der Agrarjournalist suchen und finden Handlungsspielräume.

Peter Fuermetz, Autor und Podcaster der «Klima-Kolumne», hat ein ausführliches Interview mit mir geführt. Die Themen: Landwirtschaft, Ernährung und Klima – und die Frage, wie man darüber spricht, ohne in Schuldzuweisungen stecken zu bleiben. Das vollständige Interview gibt es als Podcast und Text.
Hier fasse ich sieben zentrale Punkte aus dem Interview zusammen – als Orientierung für alle, die beim Thema Ernährung und Klima den Überblick behalten wollen. Vorher aber stelle ich Peter Fuermetz und die «Klima-Kolumne» kurz vor.
Worum es in der «Klima-Kolumne» von Peter Fuermetz geht
Peter Fuermetz kommt aus der Radiowerbung: 1985 war er mit P&P Studios früh in einem damals neuen Markt unterwegs, 2000 gründete er ein Beratungsunternehmen. Parallel unterrichtete er als Lehrbeauftragter Arbeits- und Organisationspsychologie.
Fuermetz ist im Aufsichtsrat einer Bürgerenergiegemeinschaft, als «Climate Ambassador» ist er für die Arbeit mit einem Klimasimulator zertifiziert.
Peter Fuermetz und mich verbindet, dass wir unsere Newsletter seit 2024 auf der Plattform Substack publizieren und zu den wenigen deutschsprachigen Substack-Autoren gehören, die Klimafragen konsequent ins Zentrum stellen.
Peter Fuermetz produziert seine «Klima-Kolumne» als Podcast, ergänzt durch einen Newsletter. Sein Ziel ist, Wissen zu vermitteln und konkrete Handlungsspielräume sichtbar zu machen – ohne nur auf Katastrophen zu starren.
Landwirtschaft, Handel, Konsum und – und Klima: warum sich die Kette nur gemeinsam verändern lässt
Im Interview sprechen Peter Fuermetz und ich unter anderem über diese sieben Themen:
1. Wissen und Motivation vermitteln, Handlungsspielräume sichtbar machen
Peter Fuermetz und mich verbindet ein ähnlicher Anspruch: wissenschaftlich arbeiten, ohne missionarischen Ton. Wir wollen erklären statt moralisieren – und trauen den LeserInnen zu, selbst Schlüsse zu ziehen. Fuermetz tut das im Podcast, ich in Reportagen. Das klingt zunächst nach einem bescheidenen Anspruch. Tatsächlich ist es eine grosse Herausforderung.
2. Effizienz und Innovation der Landwirtschaft werden unterschätzt
Jeder Landwirt ernährt heute bis 180 Menschen, 20 Mal mehr Menschen als ein Landwirt im Jahre 1900. Gleichzeitig haben sie den Einsatz von Kunstdünger, Pflanzenschutzmitteln und Antibiotika massiv reduziert – je nach Region und Betriebsform (Bio) sogar komplett eingestellt. Die Landwirtschaft ist innovativ, wird aber trotzdem als rückständig und rücksichtslos bezeichnet.
3. Klimaanteil der Landwirtschaft und die «Klimakiller-Kuh»-Erzählung
Die Treibhausgas-Emissionen der Landwirtschaft betragen in Deutschland, Österreich und der Schweiz 7 bis 14 Prozent. Den grössten Teil der Treibhausgas-Emissionen verursachen aber Verkehr, Industrie und Heizungen (fossile Energie). Trotzdem werden die Rinder in Medien und von Umweltorganisationen zum Sündenbock gemacht, das Feindbild vom «Klimakiller Kuh» verkauft sich gut.
4. Differenzierung der Tierhaltung: Weidebetrieb vs. Feedlots und Mega-Ställen
In den DACH-Ländern gibt es keine Feedlots für bis zu 225‘000 Rinder wie in den USA. Aber auch die Mega-Ställe in Ostdeutschland sind ökologisch und tierethisch fragwürdig. In der Schweiz, in Österreich und Süddeutschland wird dagegen das vorhandene Grasland (das sich nicht als Ackerfläche eignet) mit Milchkühen effizient genutzt. Diese Weidewirtschaft fördert Biodiversität und schützt Böden vor Trockenheit.
5. Die Bodenkrise und regenerative Landwirtschaft als «Reparaturprogramm»
Der Boden ist in einigen Regionen der Welt am Boden. Aber auch in den DACH-Ländern leiden Ackerböden unter Verdichtung, Überbearbeitung und Strukturverlust. Mit regenerativer Landwirtschaft kann die Erosion verhindert und der Boden langsam wieder aufgebaut werden. Mit der Betonung auf langsam: Humusaufbau ist ein Marathon, kein 100-Meter-Rennen.
6. Klimastress auf dem Acker: Ertragsstabilität, Wasser, neue Pflanzen
Die klassischen landwirtschaftlichen Kulturen (Kartoffeln, Zuckerrüben, Gemüse, Weizen, Obst) sind unter Stress durch Extreme: Hitzephasen und Kälteeinbrüche, Trockenheit und Starkregen. Deshalb sucht die Landwirtschaft ergänzend dazu robustere Kulturen, etwa Hülsenfrüchte, Hirse oder Sorghum.
7. Ernährungswende als Kettenaufgabe: Verschwendung, Handel, Preise, Konsum
Die Ernährungswende muss schnell und konsequent erfolgen. Produktion, Verarbeitung, Handel und Esskultur hängen zusammen. Die starken Hebel haben aber Verarbeitung und Handel in der Hand. Zum Beispiel mit einer vernünftigen Sortimentspolitik statt absurden Obst- und Gemüsenormen. Die KonsumentInnen wiederum sollten konsequent saisonal und regional kaufen, weniger Fleisch essen und weniger Lebensmittel wegwerfen.
Die Ernährungswende funktioniert nur, wenn sie alle verstanden haben
Was nehme ich aus dem Gespräch mit, das Peter Fuermetz mit mir führte? Vor allem dies: In der Klimadebatte hilft nicht noch mehr Empörung, sondern mehr Klarheit darüber, wo die wirksamen Hebel liegen.
Landwirtschaft ist weder der Hauptschuldige noch der Freipass für ein «Weiter-so» – sie ist ein Teil eines Systems, das vom Acker bis auf unseren Küchentisch zusammenhängt. Wenn wir die Ernährungswende ernst nehmen, müssen wir nicht nach Schuldigen suchen, sondern uns fragen, was in Produktion, Handel und Alltag tatsächlich Wirkung entfaltet.



