
«Auf den ersten Blick sieht dieser Acker völlig normal aus. Erst wenn man genauer hinschaut, wird die Sache komplizierter», sagt Amelie Kreuzer.
Die Geographin steht mit ihrer Kollegin Sonja Kay am Stadtrand von Zürich vor einem Sonnenblumenfeld. Die Pflanzen werden als Grünfutter für Rinder angebaut und später siliert.
Hinter den Sonnenblumen fliesst der Katzenbach. Der vor über hundert Jahren kanalisierte Bach ist unscheinbar. Doch nach starken Regenfällen schwillt er an und tritt über die Ufer. Dann kann der Acker über Nacht zum See werden. Die Ernte von Sonnenblumen, Futtermais oder Winterweizen geht dann sprichwörtlich den Bach runter.
Für Amelie Kreuzer ist klar: «Dieser Boden wird nicht falsch bewirtschaftet. Aber weil der Katzenbach regelmässig über die Ufer tritt, wäre es sinnvoller, wenn dieses Ackerland als Grasland genutzt würde.»

Nutzen wir unsere Böden richtig?
Welche Nutzung zu welchem Standort passt, haben Amelie Kreuzer und Sonja Kay für die Schweiz untersucht – im Auftrag der Landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Agroscope und dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW).
«Designing where to crop and where to graze: A spatial approach toward sustainable farming»
(Wo anbauen und wo weiden? Ein räumlicher Ansatz für eine nachhaltige Landwirtschaft in der Schweiz)
Das Ergebnis der Studie fällt gegenläufig aus:
Im strengsten Szenario erfüllen nur 58 Prozent des heutigen Ackerlands sämtliche untersuchten Standortkriterien. Die übrigen 42 Prozent wären besser als Grasland einzustufen.
Umgekehrt hätte rund ein Viertel des heutigen Graslands Potenzial für Ackerbau.
«Es geht nicht darum, die Schweiz umzupflügen», sagt Amelie Kreuzer, «es geht darum, genauer hinzuschauen, wo Ackerbau wirklich sinnvoll ist.»
Die Frage stellt sich auch in Deutschland und Österreich. Alle drei DACH-Länder bauen auf einem erheblichen Teil ihres Ackerlands Tierfutter an und importieren zugleich pflanzliche Lebensmittel.
Mehr Getreide, Hülsenfrüchte, Kartoffeln und Gemüse für Menschen? Das geht nur dort, wo der Boden nicht zu nass, zu flachgründig oder zu erosionsgefährdet ist.


