Food Revolution

Food Revolution

Die Bauern haben zu viele Traktoren? Was wirklich hinter dem Maschinenpark steckt

Auf vielen Bauernhöfen stehen mehr als drei Traktoren. Das sieht nach Luxus aus. Doch hinter der Zahl stecken Arbeitsspitzen, Wetterrisiken, ein Strukturwandel – und der eine oder andere Oldtimer.

Avatar von Jürg Vollmer
Jürg Vollmer
Juni 19, 2026
Moderner Fendt-Traktor mit roter Felge und angebauter Einzelkornsämaschine steht auf einem grünen Feld unter grauem Himmel. Am Heck sind mehrere Saatreihenaggregate mit weissen Saatgutbehältern montiert; auf der Maschine stehen die Logos „Swiss Future Farm“ und „Precision Planting“.
Für das Smart Farming braucht es moderne Traktoren, mit denen zum Beispiel diese Einzelkornsämaschine und mehreren Saatreihenaggregaten mit Saatgutbehältern gesteuert werden. (Foto: Jürg Vollmer)

Kurz & bündig

  • Viele Landwirtschaftsbetriebe haben mehr als drei Traktoren im Einsatz.

  • Die Traktoren sind kein Luxus – jeder wird bis zu 600 Stunden pro Jahr gebraucht für Feldarbeiten, Transporte und viele andere Hofarbeiten.

  • Bei Arbeitsspitzen – zum Beispiel wenn das Gras vor einem Gewitter geerntet werden muss oder bei der Kartoffelernte – braucht es jederzeit verfügbare, starke und moderne Traktoren.

  • Oldtimer-Traktoren ziehen Anhänger, heben Europaletten und fajren Futter in den Stall oder die Milch in die Molkerei.

  • Maschinenringe und Lohnunternehmen entlasten die Landwirtschaftsbetriebe, stossen aber an Grenzen, wenn alle Bauern zur gleichen Zeit dieselbe Maschine brauchen.

In der Stadt diskutieren wir über Klimaschutz und steigende Lebensmittelpreise. Aber auf jedem Bauernhof stehen durchschnittlich drei Traktoren.

Luxus auf Kosten von KonsumentInnen und Klima? Der Verdacht ist verständlich.

Wenn ein neuer Traktor mit 200–300 PS rund 150’000–350’000 Franken oder Euro kostet, stehen auf jedem Bauernhof Traktoren, die zusammengerechnet mehr kosten als ein Einfamilienhaus.

Aber die Empörung führt in die falsche Richtung. Denn ein Traktor ist für die Bauernfamilien nicht einfach ein Fahrzeug. Er ist Zugmaschine auf dem Acker, Hebewerkzeug, Transporter und Wetterversicherung.

Und vermeintlich «überzählige» Traktoren stehen zwischendurch auf dem Bauernhof, weil sie genau dann verfügbar sein müssen, wenn das Wetter und das Gras keine Geduld mehr haben.

Auf einer frisch gemähten Wiese fährt ein roter Fendt-Traktor mit einer rot-gelben Rundballenpresse. Vorne rechts dominiert ein fertiger Rundballen aus grünem Futtergras das Bild, während im Hintergrund weitere Ballen auf dem Feld liegen. Die Szene wirkt sommerlich und weit, mit klarem Licht, blauem Himmel und einer langen Baumreihe am Horizont.
Traktoren müssen genau dann verfügbar sein, wenn das Gras die höchste Nährstoffdichte, viel Protein und eine gute Verdaulichkeit aufweist. Hier «sammelt» der Fendt mit einer Rundballenpresse das Futtergras. (Foto: Jürg Vollmer)

Wie viele Traktoren haben die Bauern in Deutschland, Österreich und der Schweiz?

  • In der Schweiz waren 2024 für 47’000 Landwirtschaftsbetriebe rund 146’800 Traktoren registriert – 3,1 Traktoren pro Bauernhof.

  • In Österreich wurden 2023 für 101’600 Landwirtschaftsbetriebe rund 489’000 Traktoren gezählt– sogar 4,8 Traktoren pro Bauernhof.

  • In Deutschland setzten 2023 die 255’000 Landwirtschaftsbetriebe rund 695’000 betriebseigene Maschinen ein – 2,7 Traktoren pro Bauernhof.

Über die drei Länder gerechnet mehr als drei Traktoren pro Bauernhof. Das ist die Zahl, die beim Lesen hängen bleibt.

Sie klingt nach Luxus. Nach bäuerlichem Maschinen-Fetisch. Nach Bauern, die ständig über den Preisdruck jammern, deren Hofplatz aber aussieht wie eine Landmaschinen-Ausstellung.

Aber was steckt hinter dieser Zahl?

Ein Mann in blauem T-Shirt und Sonnenbrille arbeitet mit einem einachsigen Brielmaier-Geräteträger an einer Hangwiese. Vor ihm mäht die Maschine das Gras mit seitlich ausladendem Balken; hinter dem Gerät ist die Fläche bereits sauber geschnitten. Im Hintergrund liegen Bäume, sanfte Hügel und einzelne Höfe unter blauem Himmel.
Wie soll man die Traktoren-Zahlen vergleichen, wenn in der Schweiz auch kleine Geräteträger wie dieser Brielmaier dazu zählen? Der Einachser wird auf steilen Wiesen und in Naturschutzgebieten eingesetzt. (Foto: Jürg Vollmer)

Kostenlos abonnieren, um weiterzulesen

Geben Sie Ihre E-Mail-Adresse ein und erhalten Sie jeden Post von Food Revolution
Haben Sie bereits ein Konto? Anmelden
© 2026 Jürg Vollmer · Datenschutz ∙ Bedingungen ∙ Hinweis zur Erfassung
Starte deinen SubstackApp herunterladen
Substack ist der Ort, an dem großartige Kultur ein Zuhause findet.