Food Revolution

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Werkstattbericht Oktober 2026: Berggetreide, Capuns und Emmentaler Dolce

Im Werkstattbericht vom Oktober 2026 gibt es ein Making-of meiner Recherche zu Berggetreide, das Capuns-Rezept von Spitzenkoch Andreas Caminada und die Erfolgsmeldung vom neuen Emmentaler Dolce.

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Jürg Vollmer
Okt. 29, 2026
∙ Bezahlt
Der Agrarjournalist Jürg Vollmer mit kariertem Hemd, Jeans und Arbeitsschuhen fotografiert eine riesige grüne John-Deere-Feldspritze R4140i. Die Maschine mit ihren mächtigen Reifen und den gelben Felgen überragt ihn deutlich. Im Hintergrund sind felsige Berge zu sehen.
Mit 24 Meter Arbeitsbreite ist diese John-Deere-Feldspritze R4140i für die Berglandwirtschaft natürlich völlig ungeeignet. Aber der «Riese» lag – oder besser stand – am Weg meiner Exkursion in das Unterengadin. (Foto: Archiv Jürg Vollmer)

1. Making-of einer Recherche zu Berggetreide

Zusammen mit einer kleinen Gruppe Schweizer Agrarjournalisten war ich drei Tage im Unterengadin (Kanton Graubünden) unterwegs, im Dreiländereck Schweiz, Österreich und Italien.

Wir besuchten Berglandwirte, die unter schwierigen Bedingungen Lebensmittel erzeugen – und Wege suchen, damit auch wirtschaftlich zu bestehen. Zum Beispiel mit dem Berggetreideanbau.

Als 1989 die Bundesförderung wegfiel, brach der Bergackerbau in der Schweiz drastisch ein. Getreide verschwand vielerorts fast vollständig; Grünland- und Viehwirtschaft prägten fortan die Bergbetriebe.

Nun kehrt das Getreide zurück. Marion Schild vom landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum Plantahof erklärte uns die Entwicklung der Genossenschaft Gran Alpin: «Im Kanton Graubünden bauen heute wieder 120 Bio-Betriebe auf 237 Hektaren Getreide an und ernteten 2025 rund 911 Tonnen.»

Einer der Köpfe hinter dieser Entwicklung ist Padruot Fried. Der frühere Agroscope-Forscher untersuchte jahrzehntelang Pflanzenkrankheiten. Heute beschäftigt ihn die sehr konkrete Frage: Wie wird Gerste im kurzen Bergsommer auf über 1500 Metern rechtzeitig reif wird, bevor der erste Schnee fällt? Eine Antwort darauf ist die frühreife Braugersten-Sorte Alpetta.

Der Phytopathologe Padruot Fried mit weissen Haaren und Schnurrbart steht lächelnd in einem Feld mit reifer, goldgelber Braugerste. Er trägt eine graue Jacke über einem rot-blau karierten Hemd und gestikuliert mit einer Hand. Im Hintergrund erstrecken sich eine grüne Wiese und ein dichter Waldrand.
Padruot Fried in einem Feld mit reifer, goldgelber Braugerste. Die frühreife Braugersten-Sorte Alpetta ist im doppelten Sinne sein Gewächs. (Foto: Gran Alpin)

Eine andere Form der Berglandwirtschaft zeigte uns Christian Patscheider in Zernez. Seine Angus-Herde verbringt den Sommer mit den Kälbern auf der Alp. Im Winter weiden die Tiere im Tal rund um seinen Bio-Hof im Tal – wobei «Tal» relativ ist: Zernez liegt auf 1500 Metern.

Christian Patscheider führt mit seiner Frau Andrea auch das traditionsreiche Hotel «Baer & Post» in Zernez, dessen Küche verarbeitet die Produkte des eigenen Hofes. Wie diese Verbindung schmeckt, erfuhren wir beim Mittagessen, zu dem uns die Familie Patscheider grosszügig einlud.

Christian Patscheider mit grüner Wollmütze, grauer Fleecejacke und Arbeitshose geht durch eine Herde schwarzer Angus-Rinder mit gelben Ohrmarken. Die Tiere stehen in einem verschneiten Auslauf, im Hintergrund erhebt sich ein schneebedeckter Hang.
Christian Patscheider lässt seine Angus-Rinder im Winter rund um seinen Landwirtschaftsbetrieb in Zernez weiden, nachdem sie den Sommer auf der Alp verbracht haben. (Foto: Archiv Patscheider)

Die Recherche im Unterengadin zeigte mir eine Berglandwirtschaft, die von Tradition lebt und sich zugleich immer wieder neu auf Wetter, Märkte und gesellschaftliche Erwartungen einstellen muss. Für die Reportage brauche ich noch weitere Fakten und Bilder. Sie erscheint deshalb erst im Sommer 2027.

Mehrere kräftige Pflanzen von gelbem Krautstiel (Mangold) wachsen in einem Gartenbeet. Ihre grossen, glänzenden, leicht gewellten grünen Blätter haben auffällig leuchtend gelbe Blattstiele und Blattrippen. Zwischen den Pflanzen wachsen Gräser und niedrige Wildkräuter.
In meinem Garten habe ich gelben Krautstiel (Mangold) angebaut. In die grossen, leicht gewellten grünen Blätter mit ihren auffällig leuchtend gelben Blattstielen und Blattrippen wird nach dem Blanchieren der Spätzle-Teig für die Capuns eingewickelt. (Foto: Jürg Vollmer)

2. Das Capuns-Rezept und die Antwort auf die Frage, woher der Name Capuns kommt

Aus meiner alten Heimat Graubünden kommen auch die Capuns – immer im Plural. Kleine Päckchen aus Spätzleteig, Kräutern und Trockenfleisch, in Mangoldblätter gewickelt, in Bouillon gegart und mit Bergkäse überbacken.

Ich hole dafür aus dem Garten einen Korb voller Mangoldblätter. Im Küchenschrank steht Mehl aus der lokalen Mühle, dazu kommt ein Black-Angus-Salsiz von Gian Peter Niggli aus dem Oberengadin. Daraus entstehen zwanzig Krautwickel, die ich in einer Gratinform überbacke.

Mehrere frisch zubereitete Capuns, eine Bündner Spezialität aus mit Teigmasse gefüllten Mangoldblättern, liegen dicht nebeneinander auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech. An einigen Enden der grünen Krautwickel ist die hellgelbe Füllung sichtbar.
Die frisch zubereiteten Capuns kommen vom Backpapier direkt in eine Gratinform mit einer kräftigen Bouillonreduktion. Ich serviere die Capuns mit Speck und Zwiebeln sowie Alpkäse überbacken. (Foto: Jürg Vollmer)
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