
Noch nie seit Beginn der systematischen und flächendeckenden Wetteraufzeichnungen im Jahre 1864 war ein Sommer in Deutschland, Österreich und der Schweiz so heiss und so trocken.
Forschende der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL und des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF beantworten die 10 wichtigsten Fragen und erklären länderübergreifend, wie aussergewöhnlich die Lage ist.
Ich habe die ausführliche Dokumentation gekürzt und für Laien redigiert. Hier findet man die ausführlichen FAQ zur Trockenheit 2026.
1. Wie aussergewöhnlich ist die Trockenheit im Sommer 2026?
Die Lage ist sehr aussergewöhnlich. Bereits im Juli wurden an zahlreichen Flüssen rekordtiefe Abflüsse gemessen. Flüsse führten so wenig Wasser wie noch nie seit Beginn der Messungen, Seen erreichten den tiefsten je im Juli gemessenen Stand.
Hält eine Trockenperiode wie 2026 mehr als vier Monate an, kann man in unserem Klima von einer Dürre sprechen. Gemeint ist nicht nur fehlender Regen. Unterschieden werden:
Meteorologische Trockenheit, also zu wenig Niederschlag.
Landwirtschaftliche Trockenheit mit zu wenig Wasser im Boden.
Hydrologische Trockenheit mit tiefen Pegeln in Flüssen, Seen und Grundwasser.
2. Was hat die Dürre verursacht?
Drei Faktoren wirken zusammen:
Im Winter fiel in den Alpen wenig Schnee.
Seit April liegt der Niederschlag in Mitteleuropa deutlich unter dem Durchschnitt und mehrere Hitzewellen erhöhten die Verdunstung.
Auch die Schneeschmelze, die Flüsse und Seen normalerweise bis in den Sommer speist, fiel geringer aus als üblich. Inzwischen führen selbst viele Bergbäche für die Jahreszeit aussergewöhnlich wenig Wasser.
3. Welche Folgen hat die Trockenheit für Landwirtschaft und Natur?
Im August 2026 herrscht in Flüssen und Seen ein starkes Wasserdefizit.
Viele Grundwasser-Standorte weisen unterdurchschnittliche Werte auf. Einschränkungen bei der Wasserentnahme verhindern vielerorts, dass Landwirtschaftsbetriebe ihre Kulturen wie gewohnt bewässern.
Auf vielen Almen wurden Wasser und Futter knapp. Einige Betriebe mussten Kühe früher als geplant ins Tal bringen. Andere verfüttern bereits Vorräte, die für den Winter bestimmt waren. Einzelne Bauernbetriebe reduzieren deshalb ihre Tierbestände.
Auch Flusslebewesen geraten unter Druck. Wenig Wasser erwärmt sich schneller und bietet weniger kühle Rückzugsorte. Bei Wassertemperaturen ab etwa 25 Grad steigt für viele Fischarten das Risiko von Hitzestress und Sterblichkeit deutlich. Im Sommer 2026 kam es zu zahlreichen Rettungsabfischungen und aussergewöhnlich vielen Fischsterben.
4. Ist die Trinkwasserversorgung gefährdet?
In einzelnen Regionen kann die Trinkwasserversorgung im weiteren Jahresverlauf unter Druck geraten. Grundwasserstände reagieren verzögert auf fehlenden Regen, sinken aber bei einer langen Dürre ebenfalls. Dadurch führen Quellen weniger Wasser.
Besonders verletzlich sind Gemeinden mit wenigen lokalen Quellen und ohne Verbindung zu anderen Versorgungsnetzen. Dort kann es nötig werden, auf das Füllen von Pools, Autowaschen oder Rasenbewässerung zu verzichten.
5. Wer bekommt bei Wasserknappheit wie viel Wasser?
Landwirtschaft, Trinkwasserversorgung, Energieproduktion und Ökosysteme konkurrieren teilweise um dieselbe Ressource. Für Bauernbetriebe wäre Wasser im Sommer zur Bewässerung wichtig. Betreiber von Speicherkraftwerken in den Alpen wollen das Wasser dagegen für die Stromproduktion im Winter zurückhalten.
Es fehlt zudem eine Übersicht über die Wasserentnahmen und eine verbindliche nationale Rangfolge der Nutzungen für Zeiten akuter Knappheit. Die Gewässerhoheit liegt meist bei den Bundesländern, in der Schweiz bei den Kantonen.
Deutschland hat seit 2023 eine offizielle Nationale Wasserstrategie, während Österreich und die Schweiz bisher keine übergreifende nationale Wasserstrategie auf Bundesebene besitzen.
6. Wie viel Regen wäre nötig, damit sich die Lage normalisiert?
Einzelne Gewitter oder kurze Starkregen reichen nicht. Flüsse und oberflächennahe Böden reagieren zwar rasch auf Niederschlag. Tiefe Bodenschichten und das Grundwasser erholen sich jedoch nur langsam. Dafür braucht es länger anhaltenden, grossflächigen und möglichst mässigen Regen.
Heftiger Niederschlag kann sogar neue Probleme verursachen: Fällt mehr Wasser, als ein Boden aufnehmen kann, fliesst es oberflächlich ab und kann Überschwemmungen auslösen. Versiegelte Flächen verschärfen diesen Effekt.
Entscheidend ist deshalb nicht nur, wie viel Regen fällt, sondern auch, ob Böden und Landschaften das Wasser aufnehmen und speichern können.
7. Wer muss sich bei Wasserknappheit in Zukunft ändern?
Kurzfristig muss der Verbrauch sinken. In der Landwirtschaft helfen effizientere Bewässerung und Kulturen, die mit weniger Wasser auskommen. Mittelfristig könnten Wassernutzungsrechte angepasst werden, etwa durch neue Mengenbegrenzungen oder Prioritäten.
Langfristig muss mehr Wasser in Böden, Wäldern, Städten und im Grundwasser zurückgehalten werden. Speicherbecken allein lösen das Problem nicht: Werden Seen vorsorglich immer voll gehalten, fehlt bei Schneeschmelze oder Starkregen Platz für den Hochwasserschutz.
8. Werden solche Sommer künftig häufiger?
Ja. Trockenperioden häufen sich seit den frühen 2000er-Jahren und haben in den vergangenen zehn Jahren deutlich zugenommen. Klimamodelle erwarten, dass sie künftig häufiger und intensiver auftreten. Im Winter dürften die Abflüsse steigen, im Sommer dagegen sinken – ausgerechnet dann, wenn der Wasserbedarf am höchsten ist.
Gleichzeitig gehen Gletscher und Schneedecke zurück. Damit verlieren die Alpenländer natürliche Wasserspeicher, die fehlenden Sommerregen bisher teilweise ausgleichen konnten. Sie werden stärker von unregelmässigen Niederschlägen abhängig und dadurch verletzlicher.
Neben Anpassungsmassnahmen sei deshalb auch wirksamer Klimaschutz entscheidend, betonen die Forschenden.
9. Was geschieht mit den Wäldern?
Braune Kronen und abgeworfene grüne Blätter sind akute Stressreaktionen auf Hitze und Wassermangel. 2026 begann die Verfärbung teilweise bereits Mitte Juni – so früh wie noch nie. Besonders betroffen sind Bäume auf flachgründigen oder verdichteten Böden. Bei Buchen beendet ein früher Blattfall die Fotosynthese und damit das Wachstum für dieses Jahr.
Auf Dauer dürften trockenheitsverträglichere Arten wie Eichen, Ahorn, Winterlinde oder Speierling wichtiger werden. Entscheidend bleiben Mischwälder, genetische Vielfalt und weniger dichte Bestände. Auch Arten aus wärmeren Regionen können infrage kommen, sofern sie weder frostempfindlich noch invasiv sind.
Trockenheit kann zudem zum plötzlichen Abbruch grosser Äste führen. Diese sehen von aussen oft gesund aus. Warnungen und Absperrungen in Parks und Wäldern sollten deshalb unbedingt beachtet werden.
10. Wie leiden die Böden – und was hilft im Garten?
Trockene Böden können Nährstoffe kaum noch zu den Pflanzenwurzeln transportieren. Auch Bakterien, Pilze und Bodentiere werden inaktiv. Regenwürmer ziehen sich in tiefere Schichten zurück und fallen in eine Art Sommerschlaf.
Dauert die Dürre zu lange, können sie verhungern oder austrocknen. In einem Langzeitversuch der WSL sank die Dichte von Regenwürmern und verwandten Ringelwürmern unter anhaltender Dürre auf ein Fünftel bis ein Achtel.
Im Garten hilft ausreichendes Bewässern. Eine Mulchschicht hält den Boden feuchter und kühler. Langfristig verbessern Humus und robuste, standortgerechte Pflanzen die Fähigkeit des Gartens, Trockenperioden zu überstehen.
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