
Aktualisiert am 12. Januar 2026: USA-Update (Kennedy dreht Pyramide um)
Staatliche Ernährungsempfehlungen werden kritisiert, seit es sie gibt. Denn ihre Geschichte ist nicht nur Wissenschafts-Geschichte. Sie ist auch eine Geschichte von politischen und wirtschaftlichen Interessen – von Lobbies, die bestimmen, was als «gesund» gilt.
Das zeigt sich im Januar 2026 in den USA: Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. hat die Ernährungspyramide wortwörtlich auf den Kopf gestellt.
Kennedy setzt zwar rhetorisch auf berechtigte Themen wie «weniger Zucker» und «weniger ultraverarbeitete Lebensmittel». Seine Ernährungspolitik ist aber medial inszeniert, in zentralen Punkten wissenschaftlich umstritten – und stark Lobby-getrieben: Kennedy wurde von Lobbyisten aus der US-Rindfleisch- und Milch-Industrie «beraten».
Ich zeige, wie die USA und die deutschsprachigen Länder ihre Ernährungspyramiden bauen – und welche Interessen dahinter stehen.
1992 wurde in den USA die erste Ernährungspyramide publiziert – und seither wird sie kritisiert
1992 veröffentlichte das US-amerikanische Landwirtschaftsministerium USDA die erste Ernährungspyramide. Sie wurde rasch exportiert – trotz Kritik, die bis heute nachwirkt.

So sah die erste USDA-Ernährungspyramide aus:
Getreideprodukte (vor allem raffiniert): 45 Prozent
Gemüse: 15 Prozent, Früchte: 15 Prozent
Proteine (tierisch und pflanzlich): 10 Prozent
Milch und Milchprodukte: 10 Prozent
Fette, Öle und Süssigkeiten: 5 Prozent
Die USDA-Pyramide empfahl eine Ernährung mit höchstens 20 bis 25 Prozent tierischen Proteinen. Eine Prozentzahl, welche mit Ausnahme der «Healthy Eating Plate» (15 bis 20 Prozent) bis heute alle nachfolgenden Modelle beibehalten.
Die Kritik an dieser Pyramide setzte an einem heiklen Punkt an: Das US-Landwirtschaftsministerium empfahl unter Einfluss der Getreide-Lobby auffallend viele Produkte aus raffiniertem Getreide, um den damaligen Sturzflug der Weizenpreise aufzufangen. Damit wurde ein Ernährungsschema plötzlich zur Agrarpolitik – und umgekehrt.
Das Resultat: Viele Amerikaner assen daraufhin soviel «White Bread» und «Mac and Cheese», bis sie nur noch in 5XL-Jeans passten.
Gesunde Fette aus Olivenöl, Nüssen und Fischen sowie pflanzliche Proteine wurden ignoriert. Die Pyramide machte zudem keinen Unterschied zwischen unverarbeiteten und hochverarbeiteten Lebensmitteln und keine Angaben zu Portionen-Grössen.


