Warum wir besser essen wollen – und trotzdem falsch einkaufen
Kochbuch-Autor Patrick Hemminger hat mich interviewt. Es geht um Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie und Ernährung – und um die Frage, warum wir alle wissen, was besser wäre, aber anders handeln.

Für deutschsprachige Newsletter-AutorInnen ist es schwierig, sichtbar zu werden. Newsletter als noch junges journalistisches «Medium» sind noch zu wenig bekannt. Und naturgemäss dominieren englischsprachige Newsletter: Weltweit sprechen inklusive Zweit- und Fremdsprachler 1,5 Milliarden Menschen Englisch, aber nur 115 Millionen Deutsch.
Dieser Newsletter erscheint auf der US-amerikanischen Plattform Substack. Auch dort zählen Reichweite und Vernetzung. Beides wächst im deutschen Newsletter-«Biotop» noch auf vergleichsweise kleinem Feld.
Deshalb unterstütze ich den Newsletter des deutschen Kochbuch-Autors Patrick Hemminger – und er meinen: Wir haben uns gegenseitig interviewt. Nicht als gegenseitige Lobhudelei, sondern mit kritischen Fragen zu unseren Fachgebieten Sauerteigbrot (Patrick) sowie Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie und Ernährung (Jürg).
Kritische Fragen zu Landwirtschaft, Lebensmittelindustrie und Ernährung
Meine Antworten (natürlich arg verkürzt) auf die wichtigsten Punkte, zu denen mich Patrick Hemminger befragte:
Der Supermarkt ist eine perfekte Inszenierung. Auf der Milchpackung steht die glückliche Kuh, das Fleisch liegt so sauber portioniert in der Verpackung, als sei es nie ein Tier gewesen. Was fehlt, sind der Preisdruck auf Bauernfamilien, die Folgen für Tierwohl und Umwelt – und die Frage, wer am Ende wirklich bezahlt.
Wissen allein ist ein miserabler Einkaufsberater. Im Alltag entscheiden Gewohnheit, Zeitdruck, Budget und Werbung. Wer abends müde vor dem Regal steht, trifft keine agrarpolitische Grundsatzentscheidung. Er kauft, was funktioniert.
Gutes Essen ist kein Reinheitswettbewerb. Weniger Fleisch, mehr Gemüse, gutes Brot, saisonale Produkte, weniger Food Waste – das alles hilft. Aber nicht als Ersatzreligion. Eher als Handwerk. Schritt für Schritt, alltagstauglich, ohne moralischen Dauerbeschuss.
Was bringt die Kooperation den beiden Journalisten?
Patrick Hemminger stellt mir gute Fragen, ohne Wohlfühl-Rhetorik. Er will wissen, wer vom heutigen System profitiert, warum sich politisch so wenig bewegt – und warum ich trotzdem glaube, dass kleine, robuste Routinen mehr bringen als grosse Essens-Bekenntnisse.
Ob diese Kooperation unseren Newslettern tatsächlich hilft, können wir erst in einem Monat seriös beurteilen. Dann haben die meisten LeserInnen die Newsletter geöffnet, und der Traffic auf den Websites lässt sich auswerten.
Meine LeserInnen mit Bezahl-Abo erhalten morgen im monatlichen Werkstattbericht eine erste Analyse meiner Zahlen.
Mich würde interessieren: Habt ihr diese Kooperation zwischen Patrick Hemminger und mir überhaupt bemerkt? Und an jene LeserInnen, die in der Substack-App mitlesen: Waren die wiederholten Notes für euch nützlich – oder gehen sie euch schon leicht auf die Nerven?
Hier noch der Link zum Interview, das ich mit Patrick Hemminger geführt habe:



