Werkstattbericht Juni 2026: ALT-Texte, Website-Navigation und eine Recherche-Reise
Im Werkstattbericht Juni 2026 lobt eine blinde Leserin die ALT-Texte unter den Fotos. Eine andere Leserin kritisiert die Navigation der Website. Und ich war mit KollegInnen auf einer Recherche-Reise.

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Der Blick hinter die Kulissen soll zeigen: Was beschäftigt mich bei der Arbeit an «Food Revolution»? Was lerne ich von den LeserInnen? Und welche Fragen bleiben nach einer Recherche offen?
1. Warum ALT-Texte mehr sind als Pflichtübung
Eine blinde Leserin hat mir diese Woche geschrieben:
«Ich finde Deine Beschreibungen in den ALT-Texten sehr schön und sie vermitteln wirklich die Stimmung des Bildes, die es wahrscheinlich für Sehende auch aussagen soll.»
Das hat mich gefreut. Und es hat mich daran erinnert, dass Barrierefreiheit nicht bei der Technik beginnt, sondern bei der Haltung.
Ich schreibe zu allen Bildern ausführliche ALT-Texte. Nicht nur: «Kuh im Stall». Sondern zum Beispiel für dieses Bild:
ALT-TEXT Eine schwarz-weisse Holstein-Kuh steht in einer mit Stroh eingestreuten Abkalbebox neben ihrem frisch geborenen Kalb. Das noch nasse Kälbchen liegt im Stroh vor der Mutter, während die Kuh mit Halsband und Ohrmarke schützend daneben steht; im Hintergrund sind Ziegelwand, Stallfenster und ein Eimer zu sehen.
Ein guter ALT-Text ist keine Bildlegende zweiter Klasse. Er ist eine journalistische Beschreibung. Das ALT steht für Alternativtext, also für einen Text als Alternative für das Bild. Für blinde und sehbehinderte LeserInnen ist ein ALT-Text der Zugang zum Bild.
Für mich ist er auch eine Disziplin-Übung: Wenn ich ein Foto nicht präzise beschreiben kann, habe ich vielleicht noch nicht genau genug hingeschaut.
Und genau darum geht es in diesem Newsletter: genauer hinschauen, bevor man urteilt.
2. Die alte Website-Navigation war ein «Chrüsimüsi»
Eine Leserin aus der Schweiz hat mir sehr freundlich, aber ziemlich klar geschrieben, dass sie die bisherige Navigation der Website wenig nützlich fand. Sie nannte es ein «Chrüsimüsi», also ein heilloses Durcheinander.
Bisher sah die Navigation so aus:
🥕 Konsum & Kultur
🐮 Tiere & Ethik
🚜 Böden & Biodiversität
🍅 Garten
🥬 Fermentation
🍞 Sauerteig
📂 Archiv
Für mich ergab diese Navigation durchaus Sinn. Für die Leserin offenbar weniger. Ein klassischer Fehler im Journalisten-Handwerk: Ich sortierte die Welt nach der eigenen Werkbank – und wunderte mich, wenn die LeserInnen keinen Schraubenzieher finden.
Ich habe die Navigation deshalb überarbeitet. Jetzt sollte die Orientierung auf der Website einfacher sein: Wo steige ich ein? Welche Themen gibt es? Wo finde ich Reportagen und Hintergründe zu diesen Themen?
Gerade bei einem Newsletter, der Landwirtschaft und Ernährung mit ihren vielen Facetten verbindet, ist Navigation keine Kosmetik. Sie ist Orientierung. Und Orientierung ist auch im digitalen Raum besser als ein «Chrüsimüsi». Schauen Sie sich doch mal die neue Navigation an.
3. Was eine gemeinsame Recherche-Reise bringt
Recherche-Reisen sind organisatorisch aufwändig und teuer. Deshalb haben AgrarjournalistInnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eine gemeinsame Recherche-Reise zu vier Milchviehbetrieben rund um den Bodensee organisiert.
Alle Betriebe arbeiten mit Milchvieh (na ja, einer mit Mastrindern). Alle stehen unter wirtschaftlichem Druck. Alle haben mit Fläche, Futter, Arbeit, Tiergenetik und Vermarktung ein tragfähiges System aufgebaut. Und die Erfolgsrezepte könnten kaum unterschiedlicher sein, siehe meine Reportage über
Für mich hat sich auf dieser Recherche-Reise gezeigt: Von einer fairen Zusammenarbeit profitieren alle Beteiligten:
Die besuchten LandwirtInnen müssen einer Handvoll AgrarjournalistInnen nur einmal ihre Geschichte erzählen – die dann in den Medien in Deutschland, Österreich und der Schweiz erscheint.
Die AgrarjournalistInnen können jene Details heraussuchen, die ihre LeserInnen interessiert. Die LeserInnen der Fachzeitschrift «agrar heute» haben andere Erwartungen als die LeserInnen des «Food Revolution»-Newsletters.
Die «Food Revolution»-LeserInnen erhalten spannende Einblicke in vier innovative Milchviehbetriebe, deren Besuch ich nur mit sprichwörtlich unbezahlbarem Aufwand hätte organisieren können.
Soweit der Werkstattbericht vom Juni 2026.
Ich freue mich über jede Rückmeldung von meinen AbonnentInnen, auch über Kritik (das «Chrüsimüsi» habe ich gelöst und mich dann mit einer Tafel Schokolade belohnt 🍫 Bei mir ist also kein bleibender Schaden entstanden).
Bis zum nächsten Werkstattbericht, Ihr





